IAA: Mercedes präsentiert „Blind-Spot-Assist“

ADFC fordert verpflichtende Assistenzsysteme für Lkw

Berlin, 26. September 2016

022/16

Bei der IAA Nutzfahrzeuge stellt Mercedes derzeit seinen „Blind-Spot-Assist“ vor – ein Assistenz-System, das Lkw-Fahrer vor Personen im toten Winkel warnt. Der ADFC hat solche Systeme seit Jahren als wichtigen Baustein für mehr Radfahrer-Sicherheit gefordert und dazu 2011 beim Bundesverkehrsministerium einen Runden Tisch initiiert. Dass nach Jahren der Verhandlungsarbeit endlich ein Produkt auf den Markt kommt, begrüßt der ADFC. Nun müssen dieses und weitere Systeme – Abbiegeassistent, Notbremsassistent sowie „Intelligent Speed Assistance“  – Pflicht für alle Hersteller und Modelle werden.

 

ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork sagt: „Es ist ein Witz: Alle reden über selbstfahrende Autos und Mobilität 4.0, aber auf den Straßen kommt täglich ein Radfahrer ums Leben. Bei etwa jedem zehnten tödlichen Fahrradunfall ist ein fahrlässig abbiegender Lkw der Verursacher. Dabei gibt es marktreife elektronische Systeme, die genau das in vielen Fällen verhindern können! Auch Speditionen sollten ein Interesse daran haben, dass elektronische Systeme den Fahrern helfen, solche traumatisierenden Unfälle zu verhindern. Wir fordern den Bundesverkehrsminister auf, sich auf EU-Ebene für den verpflichtenden Einsatz von elektronischen Systemen zum Radfahrer- und Fußgängerschutz bei Lkw stark zu machen!“    

 

Tempo 30 und fehlerverzeihende Infrastruktur

Natürlich sind elektronische Systeme kein Allheilmittel für mehr Sicherheit im Radverkehr, darauf wies ADFC-Bundesgeschäftsführer Stork am Mittwoch auf einem Sicherheits-Symposium im Bundesverkehrsministerium hin. Wichtigste Elemente seien Tempo 30 innerorts sowie eine fehlerverzeihende Infrastruktur. Dazu gehörten – bei hohem Kfz-Aufkommen und höheren Geschwindigkeiten – breite, geschützte Radfahrstreifen mit einer physischen Barriere zum Autoverkehr. Auch intelligentes Kreuzungsdesign, durch das Radfahrer im Sichtbereich des Autoverkehrs sind, sowie geeignete Ampelschaltungen erhöhten die Sicherheit. Nicht zuletzt sei jeder einzelne Verkehrsteilnehmer selbst für die Sicherheit im Straßenverkehr verantwortlich. Regelverstöße im Straßenverkehr seien kein Kavaliersdelikt und müssen geahndet werden.   

    

Hinweise an Redaktionen: Themenfotos „Abbiegesituation mit LKW“ finden Sie in unserem Pressebereich. Hintergrundinformationen zur Unfallstatistik finden Sie ebenfalls dort. Verhaltenstipps für Radfahrer finden Sie in unserem Sicherheits-Dossier. Eine Presse-Mitteilung zum aktuellsten Fall eines durch einen abbiegenden Lkw getöteten Radfahrers in München finden Sie auf den Seiten des ADFC München.

 

Über den ADFC

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit mehr als 160.000 Mitgliedern die größte Interessensvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik und Tourismus. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs.

 

 

 

Neuer Fahrrad-Monitor: Fahrrad bleibt beliebtes Verkehrsmittel

Verbesserung der Infrastruktur notwendig

Sichere Abstellanlagen, gute Radwege und komfortabel zu befahrende Radrouten, ein Verkehrsklima des Miteinanders auf den Straßen: Der auf Radfahrerbedürfnisse abgestimmte Bau von Verkehrswegen und ein respektvolles Miteinander der Verkehrsteilnehmer sind wichtige Motivationen, um das Fahrrad zu nutzen. Das ist ein Ergebnis des Fahrrad-Monitors Deutschland 2013, einer beim SINUS-Institut in Auftrag gegebenen Untersuchung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), die heute in Berlin vorgestellt wurde.

 „Viele Menschen wollen Rad fahren, sie fühlen sich auf Straßen oder schlechten Radwegen aber nicht sicher genug. Außerdem fehlen oft hochwertige Fahrradabstellanlagen in ausreichender Menge“, sagt Ludger Koopmann, stellvertretender Bundesvorsitzender des ADFC, „Insbesondere an Bahnhöfen und Haltestellen ist die Zufriedenheit mit der Abstellsituation gering.“ Um den Anteil des Radverkehrs weiter zu erhöhen, müsste mehr Gewicht auf radfahrerfreundliche Infrastruktur gelegt werden – 82 Prozent der Deutschen zwischen 14 und 69 Jahren sprechen sich auf kommunaler Ebene für eine stärkere Beschäftigung der Politik mit dem Thema Radverkehr aus.

 

„Immer mehr Menschen kombinieren das Fahrrad mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Sie sind auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule intermodal unterwegs. Das ist eine positive Entwicklung“, sagt Katherina Reiche, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. „Mein Anliegen ist es, gemeinsam mit allen Akteuren die Rahmenbedingungen für den Radverkehr noch weiter zu verbessern, ganz im Sinn des Nationalen Radverkehrsplanes 2020. Hierzu zählen neben dem Ausbau der Infrastruktur auch die Verbesserung der Verkehrssicherheit.“

 Der Radverkehrsanteil ist laut Fahrrad-Monitor weiterhin hoch: Die Mehrzahl der Deutschen (57 Prozent) fährt mindestens gelegentlich Fahrrad. 72 Prozent haben ein Fahrrad zur Verfügung, im Schnitt stehen rund 2,4 Fahrräder in jedem Haushalt. Dass die Beliebtheit dieses Verkehrsmittels steigt, zeigt der erneut gestiegene Durchschnitts-Kaufpreis: 658 Euro gaben die Deutschen im Schnitt für ein neues Fahrrad aus, nachdem es 2011 620 Euro und zwei Jahre zuvor noch 570 Euro waren.

Für den Fahrrad-Monitor Deutschland 2013 hat das SINUS-Institut 2.000 Bundesbürgerinnen und -bürger zu ihrer Meinung über das Radfahren in Deutschland befragt, um ein genaues Bild der deutschen Radfahrer zu erhalten.

 Weitere Hintergrunddaten finden Sie im Reader „Fahrrad-Monitor 2013 Deutschland“, den wir Ihnen gerne als Datei zur Verfügung stellen. Bestellungen bitte an presse(..at..)adfc.de. Er steht auch auf www.adfc.de/monitor zum Download bereit.

 Der Fahrrad-Monitor Deutschland 2013 wurde vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans 2020 gefördert.

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